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Verbreitung und aktuelle Bestandssituation

Wie fossile Funde zeigen, hat die Großtrappe in Mitteleuropa bereits die nacheiszeitliche Kältesteppe besiedelt.

Die später einsetzende Bewaldung von weiten Teilen Europas hat dann den Lebensraum der Art stark eingeschränkt.

Mit der Ausbreitung des Ackerbaus und den damit verbundenen Waldrodungen hat der Mensch neue Freiflächen geschaffen, die von der Großtrappe für eine Arealausweitung genutzt wurden. Auch die Gewinnung von Grünland durch großflächige Entwässerung von Niedermooren erschloss der Art weitere Lebensräume. Die Großtrappe wurde Kulturfolger und erreichte im 17. und 18. Jahrhundert in Europa ihre größte Verbreitung.

Um 1800 lebte die Großtrappe in großen Beständen in vielen weiträumig landwirtschaftlich genutzten Gebieten Europas. Die Brutvorkommen erstreckten sich im Westen bis nach England und Schottland, im Norden über Dänemark bis nach Südschweden. In Rußland lag die Arealgrenze im Vergleich zur aktuellen Situation damals 500 km weiter nördlich.

In West- und Mitteleuropa wurde der Lebensraum der Großtrappe innerhalb von 150 Jahren durch die Intensivierung der Landnutzung so stark verändert, dass die Art nur noch in wenigen Gebieten überleben konnte. Ausgestorben sind die Bestände zuerst dort, wo sie an ihrer westlichen (England 1845) und nördlichen Arealgrenze (Schweden 1862) zusätzlich den für sie ungünstigen klimatischen Bedingungen ausgesetzt waren.

Die in Ostdeutschland vorkommende Nominatform der Großtrappe (Otis t. tarda L.) ist gegenwärtig mit mehreren, untereinander nicht mehr in Verbindung stehenden Vorkommen von Portugal im Westen bis Kasachstan im Osten und von SW-Sibirien (55° N) und Deutschland (53° N) im Norden bis zur Türkei und dem Nordiran im Süden verbreitet.

Sie bevorzugt trocken-warmes Klima (Juli-Isotherme 18 °C im Norden und 28 °C im Süden, mit einer jährlichen Niederschlagssumme unter 500 mm. Nur in einigen Ländern Mittel- und Westeuropas lebt sie auch in Gebieten mit Niederschlägen bis zu 650 mm.

Großtrappenbestände in Europa

Gegenwärtig leben in Europa 39.000 - 45.000 Großtrappen. Der Weltbestand wird von PALACIN & ALONSO (2008) mit 43.500 - 51.000 Tieren angegeben.

In Polen ist die Großtrappe 1985, in der Slowakei Ende der 1990er Jahre ausgestorben. Über die Anzahl der letzten Großtrappen in Tschechien, Rumänien und Bulgarien liegen derzeit keine gesicherten Daten vor. Unklar ist auch die Situation in Moldawien und Belorussland.

Aktuelle Zählungen in Marokko ergaben südlich von Tanger Bestände von knapp 100 Großtrappen (HELLMICH mündl.). Neuere Daten liegen über einzelne Bestandsgruppen aus der Osttürkei und dem Nordiran vor. Über die Gesamtbestände in beiden Ländern liegen jedoch keine verlässlichen Angaben vor.

Das gilt auch für die Vorkommen der östlichen Unterart mit einem geschätzten Gesamtbestand von 700 - 2000 Tieren. Über ihre Verbreitung und Bestandshöhe in der Mongolei laufen seit 2001 Untersuchungen mit Unterstützung des Fördervereins Großtrappenschutz e.V.. Erste Forschungsergebnisse finden Sie hier.

 

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